Finden Haus Themen Menschen News Kontakt
Theologie Oekumene Jugendliche Medienpaedagogik Paedagogik...
 

Zum 80. Geburtstag von Werner Wirsing

Der nachfolgende Beitrag erschien in der SZ und charakterisiert den Architekten des Studienzentrums Josefstal, der 1960 wie auch 2003 für den die Gestaltung der Anlage verantwortlich zeichnet - was nur am Rande auch in den Appartements unseres Hauses sichtbar wird.
W.S.

Ein Vorbild

Es ist wohl bezeichnend für das Lebenswerk des Münchner Architekten Werner Wirsing, daß von den Großprojekten. die im Werkverzeichnis zu finden sind, am Ende keines verwirklicht wurde. Als München 1966 den Zuschlag für die Olympischen Spiele bekam und die von Wirsing und Günther Eckert entworfene Studentenstadt als Modell für das Olympische Dorf überarbeitet wurde, bekam Eckert die Hochhäuser, Wirsing aber die Flachbauten zugeteilt. Heute kann Wirsing froh sein, daß er mit der Hochhaus-Planung nichts mehr zu tun hatte, denn die mehrfach geknickten Endlos-Wohnzeilen, die dann gebaut wurden, haben in der Zwischenzeit viel von ihrer Überzeugungskraft verloren; das am Fuß der Metastadt auf einem Raster locker gefügte, heiter verspielte Studenten-Biotop mit seinen vorgefertigten Wohncontainern aber ist heute so vital und so begehrt wie am ersten Tag. Mit diesem weltweit bewunderten, aber leider kaum nachgeahmten Modell eines rasch bau- und veränderbaren Studentendorfs hat Wirsing eindrucksvoll bewiesen, daß sich mit einem Minimum an materiellem und räumlichem Aufwand architektonische und stadträumliche Strukturen schaffen lassen, die spontan akzeptiert werden, weil sie den Bewohnern Raum zur Phantasie lassen.

Schon bei seinen allerersten Bauten kurz nach dem Studium hat Wirsing ein ausgeprägtes Gefühl für soziale Zusammenhänge und für „arme“ Materialien entwickelt. Sein Studentenwohnheim am Massmannplatz in München (1948 – 51) mit seinen schön rhythmisierten flachen Zeilen und seinem elegant aufgeständerten Verbindungstrakt kann heute noch ästhetisch überzeugen: es gilt als Musterbeispiel jener karg-modernen Architektur nach dem Krieg, die den Ideen des Bauhauses verpflichtet war.

Den schlichten Elementarformen ist Wirsing als Pionier des industrialisierten wie des sozialen Bauens auch später bei allen Projekten treu geblieben. Ob er für sich selber, für einen Bildhauer oder für einen Musiker ein Haus baute — immer waren es langgestreckte einfache Pavillons, die sich aller formalen Auffälligkeiten enthielten und bald schon in der Natur aufgingen. Ein solcher Pavillon reckt sich auch wie eine Kanzel bei Lenno über den Comer See – ein bewohnbares Panoramafenster, das sich ganz der dominanten Natur unterordnet.

Das größte Kompliment, das man Werner Wirsing zum 80. Geburtstag machen kann, ist aber die Feststellung, daß diese unaufdringlichen Wohnhüllen oder auch ein größeres Haus wie die in den Talhang hineingeschmiegte Bildungsstätte in Remscheid in ihrer formalen Reduktion und in ihrer Vorliebe für einfache Materialien wie Holz die neukargen Stilformen der späten neunziger Jahre auf verblüffende Weise vorwegnehmen. ja manche der modischen Bauten in der Schweiz oder in Vorarlberg recht alt aussehen lassen.

GOTTFRIED KNAPP
 

Drucken vorherige Seite
Drucken Seite drucken
Anmeldung Anmeldung
nach oben Seitenanfang