In Zukunft schlauer?
Mit Multimedia und Internet durchs EXPO - Land
EXPO
virtuell?
von
Station zu Station
EXPO
- Pinwand
EXPO virtuell?
Weltaustellungen waren zumindest bislang zentrale Orte auf Zeit, an
denen man sich in kurzer Zeit, vor Ort, über den Entwicklungsstand
der ausstellenden Länder, ihrer Technik und Kultur kundig machen
konnte, "offline" sozusagen. Welchen Sinn macht aber eine Weltausstellung
in einem Zeitalter, das leistungsfähige Werkzeuge zur globalen, orts-
und zeitunabhängigen Wissenver- und -übermittlung bereitstellt?
Führen statt surfen?
Wie werden die Möglichkeiten des Wissensmanagements auf eben dieser
EXPO genutzt? Bietet der Zugriff übers Netz auf medial präsentierte
Information hier ein angemessenes Äquivalent für leibhaftige
Präsenz? Eine positive Antwort könnte für all jene Perspektiven
eröffnen, den leibhaftige Teilnahme an diesem Welt-Event versagt
ist, durch Behinderung, durch Mangel an Geld für Reise und Aufenthalt.
Bildhaft gefragt: Kann an der Expo auch aus der Hütte im afrikanischen
Busch partizipiert werden?
Mein Angebot einer Führung durch die EXPO, vor Ort statt übers
Netz, auf Initiative der aej,
bedeutet zugleich einen ersten Zweifel. Ergänzend wird zudem Hilfe
zur Orientierung geboten, eine effiziente Maßnahme online wie
offline, um Lernerfolge zu beschleunigen: ein "Experte" hilft
und lenkt bei der Navigation durch ein kleines Universum von Wissen,
hat vorab recherchiert, selektiert, kommentiert. Meine Erfahrung aus
der Vorbereitung auf diese Führung von zu Hause aus, vor Eröffnung
der
EXPO:
Eher dürftige Informationen sind online verfügbar, Minimalausschnitte
aus einer vermuteten Fülle. Hyperlinks gibt es nur wenige, die
meisten davon zeigen, statt ins Spezielle, wiederum in allgemeine. Beispiel
"Themenpark Wissen": die Links zu den Produzenten zeigen nur
auf die allgemeine Firmenadresse, statt auf die Seiten der eigentlichen
Projektgruppe, der Mitarbeitenden und ihrer Papiere, Medien etc. Lieblosigkeit,
Geheimniskrämerei oder Absicht, um den leibhaftigen Besuch angesichts
Besuchermangels zu fördern?
Meinen ursprünglichen Plan, als virtuelle Gemeinschaft einen
virtuellen Messebesuch zu organisieren, muß ich fürs Erste
aufgeben, statt dessen schaue ich mich zwei Tage vor Ort um und biete
dann zwei thematische Rundgänge durchs Gelände: "In Zukunft
schlauer? - Mit Multimedia und Internet durchs EXPO - Land". Allerdings,
wieder daheim, beginne ich einen drittten Durchgang, wieder virtuell,
finde Seiten, die ich zuvor nicht entdeckt hatte oder die erst später
online standen, "work in progress": die hier recherchierten
Links sind so mittlerweile doch
Stationen einer auch virtuellen Führung:
(Klicken Sie die Links
mit der rechten Mousetaste an, so können Sie diese in einem zusätzlichen
Fenster betrachten.)
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Halle 2
Im
"LAB_01" zeigt DaimlerCrysler
jugendgerecht die Bedeutung der Kreativität, Beispiele von innovativen
Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine: 3D-Mouse, Videogame mit Sprachsteuerung,
Eye-Tracking, maschinelles Erkennen von Menschen, Biosensoren zur Steuerung
von Videospielen auf der Messe, Autos und Panzern im wirklichen Leben.
Klar: Tastatur und Mouse sind nur sehr einfache Schnittstellen zur Maschine,
die Zukunft könnte einfacher zu bedienende, aber auch schwer zu kontrollierende
Eingabe-Medien bringen. Die gleiche Utopie, nur negativ, zeigte bereits
1998 die @rs-electronica-Ausstellung in Linz mit PC-gesteuerten Schiessanlagen:
information.macht.krieg;
Die
Webseiten zu Lab_01 bieten reichhaltige, ansprechend animierte Besuchsmöglichkeit
und zahlreiche Links, u.a. auch zu Sciencefictionautor
Asimov und zu skurilen Innovationen wie dem aufziehbaren
Transistorradio ohne Batteriebedarf, das ob seiner Schlichtheit die
Besucher weniger fordert als das Hallenmotto "Mind in Motion- Discover
the next". Bei Bedarf führt auch hier ein
"Theme Robot" durch die WebSite.
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Halle 25
Ein Ausflug zu SCAPE kann zu Phantasien,
"Visionen" über zukünftige "multisensorische"
Medienwelten und futuristische Interaktion mit Maschinen anregen. Für
die Zielgruppe Jugend werden dazu u.a. ein stirnmuskel-gesteuerte Videospiel,
PC-bemalte Stirnbänder zum Selbstbasteln und viel Musik, interaktive
Spiele, interaktives Sesselrücken und ein begehbares Kaleidoskop,
als Metapher für das Internet, geboten. Maschinen(t)räume?
Auf alle Fälle ein Platz zum Offline-Relaxen mit multimedialer
Unterhaltung, Einblicke
zum Sehen und Hören ("Java" vorausgesetzt), eine Webpräsenz
im Entstehen, im Verlauf der EXPO wachsend.
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Halle 4
Computergestütztes Wissensmanagement jedenfalls wird Grundlage
der Arbeit in der Zukunft - so die Botschaft im Themenpark
"Zukunft der Arbeit", gleich
neben "Wissen". Aussteller sind hier die Bundesanstalt für
Arbeit,
Gewerkschaften, Berufsgenossenschaften, Handwerkerzentralverband und
die
"Virtuelle Universität für alle zur EXPO 2000":
Zumindest wir in Deutschland werden künftig anders arbeiten,
zeigt die Performance aus Multimedia und Tanz: die Tänzer tanzen
zeitgleich vor und auf der Leinwand, verfremdet, mediatisiert, wechseln
hinein und heraus und präsentieren abschließend den eigenen
Produktionsprozess für diese Show. Vor Verlassen der Halle könnte
ich an zahllosen berührungsfreien Touch-Screens (emotionale Botschaft:"Wir
haben auch High-Tech") nach freien Jobs suchen, Arbeitsschutzgesetze
lesen und finde tatsächlich Texte des
SoFi-Instituts zu Erfahrungen mit der Realität
von Telearbeit, ein Treffer im ursprünglichen Erwartungshorizont.
Weiterführende Auskünfte durch MitarbeiterInnen am Infostand
in der Halle selbst gibt es nicht, aber "" ein virtuelles
Mentorenteam führt online durch die Themen, von Seite zu Seite.
(Java muß installiert sein!)
Expo und Edutainment online, das ich erst zu Hause entdecke, als ich weiß,
wonach ich suchen will. Wissen muß eben immer erst im eigenen Kopf
strukturiert, aufgebaut werden.
Die Nachbarshow
"Wissen" inszeniert, dass
jenes nur computerbasiert erarbeitet wird/werden kann, zwischen vernetzten
Wissenschaftlern. Die erhofften Anregungen für die Entwicklung
des eigenen Wissensmanagement scheint es nicht zu geben. Entschlossene
Botschaft, wie gerade schon: an lebenslangem Lernen führt kein
Weg vorbei. Anregend ist es allemal auf den Seiten des für die
Ausstellung "Wissen, Information, Kommunikation" verantworlichen
Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM):
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Halle 9
Die ähnliche Botschaft von Siemens im
"Mediaversum": Wir können,
egal welcher Hautfarbe, weltweit kommunizieren und dabei eine Menge
Spaß, Emotionen und Stress haben, bekommen, behalten: ein Film
auf 5 Großbildschirmen zugleich, die parallel an verteilten Orten
die gleiche Geschichte erzählen - im
"Wisdom" (ein subtiles Wortspiel). Siemens jedenfalls hat
die Technik dafür, die wir in fast allen Pavillions ausprobieren
können. Und wieder: Visionäres, in einer faszinieren
Life-Theatershow präsentiert: dem geteilten und vernetzten
Wissen gehört die Zukunft, der begabte Protagonist scheint unsere
Gedanken lesen, mit seinen Gedanken die Welt steuern zu können.
Nach all den Vision und Prognosen nun Realisierungen:
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Mitte, im Erdgarten
Im
YIF-Youth Infotainment Forum ist
der Webzugang frei, ein kleines Studio bietet der Erstellung multimedialer
Bewerbungs-Videoclips, Stellenbörse, Videospiele. Die Tastaturen
sind vandalismusgeschützt, aber zum Schreiben kaum brauchbar: Konsumptives
Surfen satt. Ich jedenfalls schreibe künftig meine eMails jedenfalls
nur noch am meist leeren Stand der
Telekom in Halle 2 und surfe dort
kostenfrei mit DSL-Geschwindigkeit.
überall im Gelände
Auf die Benutzung des EXPO-BesucherInformationsSystems (BIS)
verzichte ich letztendlich, obwohl es gut gemeint ist:
Die oft dürftigen Web-Infos sind in zahlreichen Infobaracken mittels
Touch-Screens abrufbar, ich lege mir sogar online eine Sammlung meiner
ausgesuchten Pavillions an, die ich, passwortgeschützt, auch wieder
abrufen kann. Leider versagte das Infosystem, daraus einen optimierten
EXPO-Rundgang für mich zu erstellen. Er wäre allerdings sowieso
nur beschränkt nützlich gewesen, da nur einige Infoseiten
speicherbar waren, viele jedoch nicht. Links zu dazugehörigen Seiten,
also eine Abbildung meines mentalen Netzwerkes, sind nicht einmal vorgesehen
- ein deutlicher Widerspruch zum Anspruch von Siemens. (s.o.) Gut funktioniert
dagegen die
Suchmaschine mit Twipsy, wenn ich schon weiß, wonach ich suche.
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Halle 12
Auch die Afrika-Halle verspricht multimedial gestützte Information,
gar einen Blick auf badende Elefanten im Nationalpark in
Namibia. Trotz gezielter Suche gelingt es erst spät, diese Life-Übertragung
mit der Web-Cam zwischen all den Videokonserven an den Nachbarbildschirmen
als solche zu identifizieren. Und letztlich ist es ja auch egal, ob
life oder Konserve. Die potentielle Chance des Mediums zur Kommunikation
über Kontinente hinweg wird nicht mal versucht, es bleibt beim
High-Tech-Gag, den man aber auch nur entdeckt, wenn man im Expo-Führer
davon gelesen hat. Online sind Projekte nachhaltiger Entwicklung verlinkt:
Tips gibt die Expo-
Suchmaschine unter dem Begriff Namibia - aber die badenden Elefanten
sind nicht darunter.
Halle 15
Konsequent dagegen die israelische Präsenz: Eine nahezu leere
Halle mit zahlreichen Internetterminals, die virtuelle Ausflüge
in Holy Land bieten, das sich als
"Whole eLand" präsentiert. Dass es ausschließlich
um einen virtuellen Besuch geht, verdeutlicht das Angebot, sich vor
einer Fototapete von Jerusalem fotographieren zu lassen und das gespeicherte
Bild per eMail zu versenden. Die Website ist ein geeigneter Startplatz
für nachfolgende, erneute Besuche, ohne Eintritts- und Reisekosten
zu EXPO.
Global House
Wie unattraktiv im Wortsinn multimediale Präsentation ohne menschliche
Präsenz ist, zeigt das
Global House: GTZ, Weltbank und zahlreiche entwicklungspolische Projekte
demonstrieren in einem oft menschenleeren, gut gestylten Bürohaus
ihre technisch perfekte PC-.Ausrüstung und die Fähigkeit,
didaktisch aufbereitetes Filmmaterial zu produzieren. Dennoch, es stehen
die richtigen Fragen auf dem Programm: "Erfolgreiche Gesellschaften
werden die Phantasie, Kreativität und das Wissen ihrer Mitglieder
fördern, um Lebensbedingungen und Lebensqualität zu verbessern.
Wie können Systeme lebenslangen Lernens aussehen? Welche prominenten
Beispiele gibt es schon? Wie kann ein gerechter Zugang zu Wissen organisiert
werden?"
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Im gleichen Ort präsentiert der
Wirtschaftsraum Hannover gar eine Mini-Expo und Touchscreens ohne Ende
- dafür enden die online erreichbaren Informationen zum Thema spätestens
nach dem dritten Hyperlink:
Wilkhahn etwa, ein innovativer Möbelhersteller, zeigt nur ein kleines
Bildchen eines für seine umweltverträgliche Produktion preisgekrönten
Bürostuhls; Ende der Vernetzung von Wissen und Neugier - und das
trotz des EXPO-Leitthemas. Lust auf Hannover? Jedenfalls nicht ob seiner
medialen Präsentation. Die scheint vorwiegend auf Oberflächendesign
beschränkt - und das langweilt eher, mangels engagierten Standpersonals.
Dagegen:
Deutscher Pavillon, Siemens Mediaversum, Themenpark Wissen und Zukunft
der Arbeit - Angebote, die faszinieren, die emotional berühren:
Überall gibt's zwar Multimedia satt, aber immer vermischt mit Life-Performances,
in der lebendige Menschen durch die medialen Illustrationen führen,
mit ihnen interagieren, Stehgreif-Theater spielen, immer wieder auch
die Trickkiste technischer Illusionsmaschinerie nutzen, aus dem zweidimensionalen
Raum der Bildschirme heraustreten und uns begegnen (zu scheinen). Übers
Netz ist das alles freilich unzugänglich, inspirierendes Offline
Theater eben; gemeinsames Fußball-Fernsehschauen bei T-Digit an
der EXPO-Plazza, aber kein Plazza
virtuale.
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T-Digit
Nun, "Bayreuth" gibt's eben als Event auch nur offline.
Nur sind die Karten dort teuerer. Von der Hütte im afrikanischen
Busch aus sieht man wohl die namibischen Elefanten besser, auch wenn
eine Webcam
Fernsehen nach Hannover ermöglicht:
Die Wissensgesellschaft ähnelt hier auf der Expo einer Klassengesellschaft,
einem Klassentreffen der "information rich"-Fraktion. Als
Besucher vor Ort bekomme ich zumindest das Gefühl, dazuzugehören,
kann am Touch-Screen zumindest das dahinter versteckte Wissen antatschen.
Zum Begreifen sind die multimedialen Oberflächen zu glatt - und
zu verschmiert. Auch Online-Guides sind wohl nötig, zumindest jedoch
sinnvoll, wenn das hinter der Scheibe versteckte Wissen greifbar werden
soll.
EXPO-Plaza
Das zeigt auch Bertelsmann im spacigen Expo-Kino
"PlanetM" mit einer rührenden
Film-Romanze: Das Internet kann dir den Sinn des Lebens verraten, so
lernt der kleine Hirtenjunge aus der Wüste in diesem Film. Er mußte
sich dazu freilich auf den Weg machen.
Wir auch. Aber Bertelsmann hat auch die Medien, die uns erlauben, im
Sessel eine Zeitrafferreise zu genießen, wenn die Füße
nach dem langen Marsch durch die EXPO schmerzen.
Sind Sie jetzt schlauer? Über
feedback freut sich W.Schindler
Josefstal, im Juli 2000
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