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Erfolgreich digital.

MaC*-Days 2005

23.–25. November 2005

- Bericht -

Nicht Qualität ist gefragt, sondern Erfolg. Wie funktioniert das in der Jugendarbeit mit digitalen Medien?

Wolfgang Schindler skzizzierte in seiner Keynote, wie die Faktoren „Timing“, „Marketing“ und „Qualität“ über 'Top oder Flop' entscheiden, intoniert mit einem „anschlußfähigen“ Sprachgebrauch. Die Entscheidung für innovative Technologien entscheide zugleich über die erreichbare Zielgruppe und die passende Didaktik.
Sinnenreiche, spektakuläre Präsentation der eigenen Arbeit sei als Tribut an geänderte Produktionsbedingungen in der außerschulischen Bildungsarbeit unumgänglich. Doch auch mit - daher boomender - Präsentations-Software sei 'Diskurs statt Indoktrination' möglich, auch 'Powerpoint und Co.' mache nicht zwangsweise dumm.

Mehr dazu zeigten die Mindmap und die im Tagungsverlauf vorstellten Projekte, die ihre Geburtswehen schon hinter sich haben:

Bildung und Lernen in virtuellen Räumen:

Jürgen Ertelt präsentierte den messbaren Erfolg von 'Netzcheckers.de'. Mit dieser dezentral konzipierten bundesweiten Plattform erreicht die Bundesinitiative 'Jugend ans Netz' Jugendlichen und Gruppen, die hier -unzensiert- eigene Themen in selbstbestimmten virtuellen Räumen multimedial inszenieren. Als richtig erfolgreich gilt dieses Projekt Jounalisten allerdings erst, seit explodierende Userzahlen mit einer PR-wirksamen Download - Aktion für Handy-Klingeltöne erreicht wurden.

Prof.Dr.Roland Bader analysierte, aus mehrjähriger experimenteller Erfahrung mit erfolgreicher Gruppenarbeit mit PädagogInnen und StudentInnen in virtuellen Räumen, die Wechselwirkungen zwischen Software, sozialer Realität und institutionellen Bedingungen, anhand der Josefstaler Plattform MaC*open. Die Chancen für erfolgreiches eLearning steigen mit möglichst frühzeitiger Kooperation zwischen Lehrenden und Programmierern, die pädagogische Konzepte in Software umsetzen – oder sich mit Vorgaben aus Verwaltungsperspektive begnügen müssen. Nach Ende solcher Baumaßnahmen an virtuellen Räumen ist die softe Ware -wie ausgehärteter Beton- kaum noch zu verändern.

Das Konzept weltweiten freien Wissensmanagements stellte Dirk Franke vor, Manager der OpenSource Enzyklopädie Wikipedia. Dieses Modell der Kooperation zwischen Menschen, die ihr Wissen mit anderen ohne Profit teilen, führt zu Ergebnissen, die den Vergleich mit professionellen Nachschlagewerken nicht scheuen müssen, bestätigt eine wissenschaftliche Analyse (faz), ganz im Gegensatz zu verbreiteter Skepsis vor erst ansatzweise sichbar werdenden Perspektiven einer sozialen Wissensgesellschaft. „Vor Webtagebüchern und vor Podcasts, also selbstgemachten Radiosendungen, war Wikipedia das erste Programm einer völlig neuen, von Anwendern kontrollierten 'sozialen Software'. Bis heute ist sie konkurrenzlos.“(sz)

Spielerisch innovativ

Was Tsunami-Forschern und dem Militär teuer ist, darf Jugendlichen lieb sein: GPS-gestützt schickte Daniela Rohlf die TagungsteilnehmerInnen auf digitale Schnitzeljagd durch die verschneiten Almwiesen rund um Josefstal. Geocaching, die Suche nach dem verborgenen Schatz kann als innovative Aktion selbst Großstadt- Jugendliche ins Freie locken, wurde bei der anschließenden Präsentation des pädagischen Modells klar. Nebenbei macht es nicht nur Pfadfinder mit GPS und Landkartenlesen vertraut – erfolgreich innovativ.

Michael Lange illustrierte am „Cyerland-Chat“ die sozialen Prozesse von Kindern und Jugendlichen in multimedialen Räumen. Basierend auf der vom Hersteller längst nicht mehr gepflegten multimedialen 'Palace'-Software organisiert M.Lange eine virtulle Welt, in der handfestes soziales Lernen Alltag ist, gelegentliche Offline-Treffen der immer jünger werdenden Admin-Gruppe inclusive: Tradition und mehrjährige Erfahrung können Erfolg fundieren, nicht nur Innovation allein.

Wer Platons Höhlengleichnis nicht lesen mag, geht statt dessen in das „Pixel-Theater“ von 'Artespace' und läßt sich von Sebastian Ring zum Selberspielen anleiten. Die spezielle Software transformierte bunte Kugeln als Theaterspieler exemplarisch in Politiker am Bildschirm, so wie einst die Sonne Schattenspiele in Platons Höhle warf – ein mediengestütztes Spiel zur Aufklärung über Bild und Wirklichkeit, das Kinder und Tagungsteilnehmer verstehen.

Spielerisch handhabte auch Philip Steffan das Tagungsmanagement mit berührungsloser RFID-Kontrolle der Teilnehmenden am Eingang zum Speisesaal: durch Verknüpfung mit der hauseigenen Datenbank liess sich u.a die Vermutung belegen, dass vor allem TeilnehmerInnen unter Dreißig regelmäßig zu spät zum Frühstück kamen. „Hat die Tagungsleitung hier disziplinarisch versagt?“ Was hier ein Spiel war, könnte bald dominante Wirklichkeit werden, in der Konsumenten ihre informationelle Selbstbestimmung für ein paar windige (Preis-)Vorteile an der Supermarktkasse verkaufen, falls überhaupt. Die Josefstaler RFID-Aktion hat das berührungslos begreifbar gemacht und erfolgreiches Nachdenken über Datenschutz stimuliert.

OpenSource - pädagogisch,
strategisch wie didaktisch und technisch

Darum ging es bei den MaC*_days 2005, das brachten die Beiträge von Felix Stalder und Andrea Mayr (am Beispiel 'Jux – Linux für die Jugendarbeit' am Tagungsende auf den Begriff. Programmieren heiße eigene Probleme zulösen, unter OpenSouce-Bedingungnen weltweit kooperativ – ein für die Beteiligten plausibles gemeinsames Ziel vorausgesetzt.
Die freie Produktion von Software funktioniere nach dem Modell des Basars, der durch seine dezentrale Vielfalt und die umschließende Marktordnung vielfältige Bedürfnisse geordnet befrieden kann – anders als die nach dem Modell des Kathedralen-Bauens organisierte kommerzielle Softwareproduktion. Die fertige Kathedrale kann der Besucher/Kunde nur akzeptieren oder ignorieren, beteiligt ist er nur als Marketingobjekt.

So haben die Produktion von Linux und pädagogisches Handeln mehr gemeinsam als die eventgegetriebene Vermarktung von Konsumer-Software: Jugendarbeit kann aus den Bedingungen für den Erfolg von OpenSource-Konzepten lernen. Damit kann sie Kinder und Jugendliche und ihre MirarbeiterInnen als Subjekte ernst nehmen, ohne ihre Abhängigkeit von aktuellen Marktbedingungen der Bildungsarbeit verleugnen zu müssen.

Wie sehr diese Perspektive im Alltag unter die Räder geraten kann, inszenierte Gerhard Polts Lesung aus seinem satirischen Werk, die Schaudern und Begeisterung zugleich erregte, das „muss doch mal gesagt sein“.


Bericht: Wolfgang Schindler
Tagungsleitung: Jürgen Ertelt, Wolfgang Schindler
Referentinnen und Referenten
Verlauf
Ausschreibung

eine Kooperation des Studienzentrums Josefstal mit

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