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Bibliolog

Bibliologmerkmale

… ist eine Methode, gemeinsam mit der Gemeinde, Jugendgruppe oder Schulklasse eine biblische Geschichte zu entdecken. Die Teilnehmenden versetzen sich dabei in die biblischen Gestalten hinein. In diesen Rollen füllen sie die „Zwischenräume“ der Texte, das „weiße Feuer“ mit eigenen Ideen und gewinnen dadurch einen lebendigen Zugang zu dem „schwarzen Feuer“ der Buchstaben des Textes. Lebensgeschichte und biblische Geschichte verweben sich dabei miteinander und legen sich gegenseitig aus.
 

So kann man Bibliolog einsetzen ...

Bibliolog lässt sich in ganz unterschiedlichen Handlungsfeldern und auch im Religionsunterricht einsetzen: Als „Predigt mit der ganzen Gemeinde“ im Gottesdienst, als Heranführung an biblische Geschichten in der Jugendarbeit oder in der Konfirmandenarbeit, als lebendige Erfahrung der Bibel in Gemeindegruppen, Hauskreisen oder auf Seminaren und Tagungen, als Einheit im schulischen Religionsunterricht…

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Er dauert in der Regel 15 bis 30 Minuten. Wie groß die Gruppe ist, ist nach oben offen. 
 

Bibliolog im Gottesdienst

Großes Interesse findet der Bibliolog im gottesdienstlichen Rahmen. Er bietet eine Möglichkeit mit der ganzen Gemeinde zu predigen, ohne das vertraute Setting zu verlassen: alle bleiben auf ihren Plätzen, niemand wird genötigt, sich aktiv zu beteiligen, aber allen wird ein Weg angeboten, dem biblischen Text persönlich zu begegnen und im Kontakt mit der eigenen Lebensgeschichte wesentliche Erkenntnisse über den Text und über seine Bedeutung für das eigene Leben zu gewinnen. Bibliolog kann dabei an die Stelle der Predigt treten, es ist aber auch möglich, eine kurze monologische Predigt anzuschließen.
 

Woher kommt Bibliolog?

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Erfunden wurde der Bibliolog von dem jüdischen Nordamerikaner Peter Pitzele auf dem Hintergrund seiner psychodramatischen und literaturwissenschaftlichen Kenntnisse. Nicht zufällig ist dieser Ansatz von einem Juden (der übrigens kein Theologe ist) entwickelt worden: Er entspricht der rabbinischer Auslegungsweise des Midrasch, nach der die Texte der Tora durch eine kreative Füllung ihrer Lücken ausgelegt werden können. Die rabbinische Hermeneutik unterscheidet zwischen dem „schwarzen Feuer“, dem Buchstabengehalt der biblischen Texte, und dem „weißen Feuer“ als dem Raum zwischen den Worten. Peter Pitzele lebt in New York und ist Mitglied im „Institut for Contemporary Midrash“.
 

Wie sieht ein Bibliolog konkret aus?

Die Bibliologin oder der Bibliologe führt in die Methode und das, was die Teilnehmenden erwartet und was von ihr erwartet wird, im „Prolog“ zunächst kurz ein. Dann folgt eine Hinführung in die konkrete biblische Geschichte ein, die eine Identifikation mit den Gestalten erleichtert und erzählerisch die wesentlichen Informationen über den Text vermittelt. An einer Stelle, wo „weißes Feuer“ lodert und eine Identifikationsmöglichkeit nahe liegt, schlägt die Leitung die Bibel auf und liest einen Satz oder einen kurzen Abschnitt. Aus diesem weist sie der Gemeinde die Rolle einer biblischen Gestalt zu („enroling“) und spricht sie in dieser an.
 
Pfeil2011 Drei Beispiele aus den Bereichen Gottesdienst, Schule und Gruppe
Pfeil2011 Literatur zum Bibliolog
  
 

Bibliolog und Bibliodrama

Bibliolog ist dem Bibliodrama eng verwandt: Beide gehen davon aus, dass sich durch ein „Hineingehen“ in die biblischen Geschichten ein neuer Zugang zur Bibel eröffnet und dass die biblischen Geschichten einen Raum zur spielerischen Identifikation anbieten. Auch methodisch gibt es viele Ähnlichkeiten, so dass Bibliolog gelegentlich auch als „kleine Form“ des Bibliodramas bezeichnet wird. Es gibt aber auch charakteristische Unterschiede. Der Anteil an Selbsterfahrung ist im Bibliolog geringer bzw. verbleibt in der Erfahrung der Teilnehmenden selbst. Bibliolog erfordert eine geringere Bereitschaft als Bibliodrama, sich auf innere Prozesse in einer Gruppe einzulassen. Methodisch ist Bibliolog deutlich leitungszentrierter und direktiver. Aufgrund dessen, aber auch aufgrund seiner Kürze (in der Regel 15–30 Minuten) lässt er sich flexibler in unterschiedlichen Handlungsfeldern einsetzen.
  

Textverständnis des Bibliologs

Bibliolog geht davon aus, dass die biblischen Texte Menschen heute – in ihren unterschidelichen Lebenssituationen – etwas zu sagen haben. Dies geschieht aber nicht automatisch, sondern wird durch bestimmte Wege wahrscheinlicher gemacht. Gleichzeitig trägt er methodisch der exegetischen und systematisch-theologischen Erkenntnis Rechnung, dass der gleiche Text von unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und mit unterschiedlichen Erfahrungen auf ganz vielfältige Weise gehört wird. Jeweils andere Aspekte und Aussagen des Textes werden wichtig, je nachdem, wer sie in welcher Lebenssituation wahrnimmt. Es gibt nicht die eine Botschaft des Textes, der die einzelnen nur zustimmen oder sich von ihr abgrenzen können, sondern es geht um einen persönlichen Zugang zum Text. Damit wird gleichzeitig die Möglichkeit eröffnet, auch die Zugänge anderer wahrzunehmen und dadurch ihre eigene Wahrnehmung zu erweitern, möglicherweise auch zu verändern! Die Vielfalt an Aussagen und die unterschiedlichen Perspektive, die dabei deutlich werden, relativieren die Subjektivität auch wieder, da die Subjektivitäten anderer gleiches Recht beanspruchen und den eigenen Zugang als lebensgeschichtlich geprägt erweisen. Ein wichtiger Aspekt gerade auch für eine subjektorienterte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. 
  

Methodische Techniken im Bibliolog

Wesentlich für den Bibliolog sind die Techniken „echoing“ und „interviewing“. Das echoing nimmt die Äußerungen der Teilnehmenden sprachlich auf und verstärkt sie. Auf diese Weise werden die eher leisen Aussagen für alle hörbar, und nur angedeutete emotionale Gehalte werden hervorgehoben. Damit wird einerseits jede Äußerung als wertvolle subjektive Aussage gewürdigt. Andererseits bekommen diejenigen, die sich äußern, die Chance, sich selbst noch ein wenig besser zu verstehen und noch tiefer in die Rolle hineinzukommen. Dieses „echoing“ verlangt von der Leitung neben der Fähigkeit zur Empathie und einem guten Kontakt zu den Einzelnen ein hohes Maß an Übung, denn Missverstehen und Fehlinterpretationen entmutigen und verkehren die Chance des Bibliologs in ihr Gegenteil. Wichtig ist zudem, dass von der Leitung die Rolle nicht „besser“ ausgefüllt wird, sondern die Identifikation der jeweiligen Person das Entscheidende bleibt.
Im „interviewing“ kann auch nachgefragt werden, wenn beispielsweise Inhalte nur angedeutet werden. Die Leitung muss dabei jedoch in der Linie der TeilnehmerIn bleiben, sie soll nicht Aspekte hervorzlocken, die sie selbst interessiert..
Weitere Techniken sind das „enroling“ und das „deroling“ sowie der Prolog und der Epilog. Entscheidend ist zudem der Aufbau, die „Choreographie“ eines Bibliologs, konkret: an welchen Stellen welche Fragen an welche Personen gestellt werden.
 

Wie und wo lernt man Bibliolog?

Auch wenn die Methode des Bibliologs relativ schlicht wirkt und an manches anschließt, was in der Praxis bereits durchgeführt wird, hat es sich als sinnvoll erwiesen, sich diesen Zugang zu biblischen Texten methodisch fundiert anzueignen, da das Gelingen eines Bibliologs von diversen Aspekten abhängt, die auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbar sind. Eine entsprechende Fortbildung (Grundkurs Bibliolog) ermöglicht es erfahrungsgemäß in der Regel, mit dem Bibliolog zu arbeiten.

Die Fortbildungen umfassen entweder fünf Tage oder zweimal zweieinhalb Tage. In diesen Fällen ist eine Teilnahme an beiden Teilen der Fortbildung verbindlich.
(siehe Kursangebote)

 

 

eine Kooperation

von Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong

Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong

Sprecherin des Bibliolog Netzwerk International

und dem Studienzentrum für
evang. Jugendarbeit in Josefstal,
Rainer Brandt

Rainer Brandt

Geschäftsführer des Bibliolog Netzwerkes International


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